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Leadership

 

 

Der richtige Zeitpunkt als Stellschraube zum Reduzieren von Druck

 

Wenn Sie am Morgen mit der Bahn von Linz nach Wien fahren wollen, ist z.B. der Intercity eine Möglichkeit: Abfahrt um 6:31, Ankunft um 8:28. Fahrtdauer: 1:57 Stunden. Wenn Sie schon um 6 Uhr am Bahnsteig stehen, verplempern Sie eine halbe Stunde. Wenn Sie um 6:45 zum Bahnsteig kommen, fährt der Intercity ohne Sie nach Wien.


Chronos und Kairos

 

Die alten Griechen kannten zwei verschiedene Zeitqualitäten, jeweils repräsentiert durch eine eigene Gottheit. „Chronos“ entspricht dabei einem Zeitabschnitt bzw. der Quantität der Zeit, „Kairos“ dem richtigen Augenblick bzw. dem günstigen Zeitpunkt zum Treffen von Entscheidungen sowie für Chancen und Gelegenheiten.

 

Die Zeitqualität des Chronos finden wir z.B.

in der Dauer der Zugfahrt
der Länge einer Ausbildung
der Jahresplanung eines Unternehmens
der Zeitplanung in einem Projektplan

 

Für die Zeitqualität der Kairos haben wir Ausdrücke wie

„Der Zug ist pünktlich um 6:31 Uhr abgefahren“
„Die Zeit ist reif“
„Es ist der richtige Moment, mit dem Produkt auf den Markt zu gehen“
„Wir haben den richtigen Moment verpasst“
„Er war im richtigen Moment am richtigen Ort“

 

 

Wenn die Zeit reif ist ...

 

Ein interessantes Beispiel für Kairos ist David Camerons Film „Avatar“, einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Den ersten Skript-Entwurf für Avatar schrieb Cameron bereits 1994 (also noch vor „Titanic“). Laut dem ursprünglichen Plan sollte „Avatar“ 1999 in die Kinos kommen, aber Cameron erkannte, dass er für die optimale Umsetzung dieses Stoffes eine Technologie benötigte, die es damals noch nicht gab. Erst 2005, als David Cameron und Jon Landau bei der Firma Lightstorm Entertainment digitale Produktions- und 3D-Techniken in einem entsprechenden Ausmaß weiter entwickelt hatten, konnte der Film so produziert werden, wie Cameron es wollte. Als „Avatar“ 2009 in die Kinos kam, wurde er vom Kinopublikum begeistert aufgenommen, bekam 3 Oscars und eine Reihe anderer Auszeichnungen.

 

Ähnliches gilt für viele erfolgreiche Erfindungen, Produkte, Konzepte: Sie wurden ein Erfolg, weil sie genau zum richtigen Zeitpunkt kamen.

Wenn der Zeitpunkt nicht passt, kann es ganz schön viel Zeit kosten

 

Vielleicht kennen Sie folgendes Phänomen: Sie haben auf ihrem Tagesplan stehen, einen wichtigen Kunden anzurufen. Und noch während Sie wählen, bekommen Sie ein merkwürdiges Gefühl – als ob Ihnen Ihre Intuition sagen möchte, dass jetzt kein günstiger Zeitpunkt ist. Aber weil es auf dem Tagesplan steht, bleiben Sie dran. Die Sekretärin des Kunden hebt ab und teilt Ihnen mit, dass Ihr Kunde auf Dienstreise, im Urlaub oder in einer Besprechung sei. Vielleicht ist der Kunde sogar da, aber für Ihr Anliegen im Moment nicht aufgeschlossen.

 

Oft wird viel Zeit in Vorhaben investiert, für welche die Zeit noch nicht reif ist. Oder es erfolgt eine Aktion zum falschen Zeitpunkt, z.B.:

 

eine Entscheidung wird getroffen, obwohl noch wichtige Informationen fehlen
ein schwieriges Gespräch mit dem Chef oder einem Mitarbeiter wird zum falschen Zeitpunkt geführt und geht schief
ein Projekt wird gestartet, obwohl die Ausführenden noch mit anderen Aufgaben mehr als eingedeckt sind
eine Idee wird entwickelt, für die es auf dem Markt im Moment noch kein Interesse gibt

 

Damit verliert man oft viel Zeit – und möglicherweise auch gute Gelegenheiten, die während dieser Zeitspanne verfügbar gewesen wären. Aber man hat sie gar nicht bemerkt oder nahm sich nicht die Zeit dafür, weil man ja mit etwas Anderem beschäftigt war.

Den richtigen Zeitpunkt erkennen

 

Den richtigen Zeitpunkt zu erkennen ist weniger eine Sache des Verstandes bzw. des bewussten Denkens, sondern eher ein intuitives Spüren. Das „Bauchgefühl“ zeigt oft ziemlich treffsicher, ob ein Zeitpunkt für eine Aktion passt oder nicht.

 

Nehmen wir an, Sie hätten sich für heute 5 Aufgaben vorgenommen und merken, dass Sie zeitlich unter Druck kommen. Es gilt also Prioritäten zu setzen.

 

Nun könnten Sie folgendermaßen vorgehen:

 

Lokalisieren Sie in Ihrem Körper den Bereich, wo Sie Ihr „Bauchgefühl“ oder Ihre „Innere Stimme“ am deutlichsten wahrnehmen können. Bei den meisten Menschen ist das im Bereich des Solarplexus oder in der Mitte der Brust.
Nun nehmen Sie sich die erste Aufgabe vor und stellen an Ihr „Bauchgefühl“ die Frage: „Ist für diese Aufgabe heute der richtige Zeitpunkt?“
Dann richten Sie Ihre Aufmerksamkeit in die Körperregion Ihres „ Bauchgefühls“ und spüren oder hören Sie, ob Sie ein „Ja“ oder ein „Nein“ bekommen.
Erhalten Sie ein „Ja“, kommt die Aufgabe auf die To-do-Liste für heute. Dann können Sie auf diese Aufgabe fokussieren.
Kommt ein „Nein“, fragen Sie weiter: „Morgen?“
Bei einem erneuten Nein: „Diese Woche?“ ... „Dieses Monat?“ ... „später?“
Oder vielleicht auch: „Gar nicht?“

 

Wenn Sie ein visueller und/oder kinästhetischer Typ sind, können Sie auch auf dem Boden ein kurzes Seil auflegen, das die lineare Zeit repräsentiert und dort mit kleinen Kärtchen Markierungen für die Zeiten „heute“, „morgen“, „diese Woche“, „dieses Monat“ und „später“ anbringen, sich auf das jeweilige Kärtchen stellen und nach einem „Ja“ oder „Nein“ fragen.

 

 

Dass ich diesen Newsletter zu genau diesem Thema schreiben wollte, wusste ich schon Anfang Juli. Ich hätte mich ohne große Lust an den PC setzen und mir selbst Druck machen können. Aber für diesen Beitrag war der richtige Zeitpunkt offenbar ein schöner Samstag Nachmittag im August. Im Garten sitzend nach einem Mittagsschlaf in der Hängematte schrieb ich ihn entspannt in ca. 30 Minuten – und es ging fast wie von selbst.

 

 

Viel Spaß beim Experimentieren mit Ihrem Kairos.


 

04.09.2012

 

 


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Wenn Sie am Morgen mit der Bahn von Linz nach Wien fahren wollen, ist z.B. der Intercity eine Möglichkeit: Abfahrt um 6:31, Ankunft um 8:28. Fahrtdauer: 1:57 Stunden. Wenn Sie schon um 6 Uhr am Bahnsteig stehen, verplempern Sie eine halbe Stunde. Wenn Sie um 6:45 zum Bahnsteig kommen, fährt der Intercity ohne Sie nach Wien.


Chronos und Kairos

 

Die alten Griechen kannten zwei verschiedene Zeitqualitäten, jeweils repräsentiert durch eine eigene Gottheit. „Chronos“ entspricht dabei einem Zeitabschnitt bzw. der Quantität der Zeit, „Kairos“ dem richtigen Augenblick bzw. dem günstigen Zeitpunkt zum Treffen von Entscheidungen sowie für Chancen und Gelegenheiten.

 

Die Zeitqualität des Chronos finden wir z.B.

in der Dauer der Zugfahrt
der Länge einer Ausbildung
der Jahresplanung eines Unternehmens
der Zeitplanung in einem Projektplan

 

Für die Zeitqualität der Kairos haben wir Ausdrücke wie

„Der Zug ist pünktlich um 6:31 Uhr abgefahren“
„Die Zeit ist reif“
„Es ist der richtige Moment, mit dem Produkt auf den Markt zu gehen“
„Wir haben den richtigen Moment verpasst“
„Er war im richtigen Moment am richtigen Ort“

 

 

Wenn die Zeit reif ist ...

 

Ein interessantes Beispiel für Kairos ist David Camerons Film „Avatar“, einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Den ersten Skript-Entwurf für Avatar schrieb Cameron bereits 1994 (also noch vor „Titanic“). Laut dem ursprünglichen Plan sollte „Avatar“ 1999 in die Kinos kommen, aber Cameron erkannte, dass er für die optimale Umsetzung dieses Stoffes eine Technologie benötigte, die es damals noch nicht gab. Erst 2005, als David Cameron und Jon Landau bei der Firma Lightstorm Entertainment digitale Produktions- und 3D-Techniken in einem entsprechenden Ausmaß weiter entwickelt hatten, konnte der Film so produziert werden, wie Cameron es wollte. Als „Avatar“ 2009 in die Kinos kam, wurde er vom Kinopublikum begeistert aufgenommen, bekam 3 Oscars und eine Reihe anderer Auszeichnungen.

 

Ähnliches gilt für viele erfolgreiche Erfindungen, Produkte, Konzepte: Sie wurden ein Erfolg, weil sie genau zum richtigen Zeitpunkt kamen.

Wenn der Zeitpunkt nicht passt, kann es ganz schön viel Zeit kosten

 

Vielleicht kennen Sie folgendes Phänomen: Sie haben auf ihrem Tagesplan stehen, einen wichtigen Kunden anzurufen. Und noch während Sie wählen, bekommen Sie ein merkwürdiges Gefühl – als ob Ihnen Ihre Intuition sagen möchte, dass jetzt kein günstiger Zeitpunkt ist. Aber weil es auf dem Tagesplan steht, bleiben Sie dran. Die Sekretärin des Kunden hebt ab und teilt Ihnen mit, dass Ihr Kunde auf Dienstreise, im Urlaub oder in einer Besprechung sei. Vielleicht ist der Kunde sogar da, aber für Ihr Anliegen im Moment nicht aufgeschlossen.

 

Oft wird viel Zeit in Vorhaben investiert, für welche die Zeit noch nicht reif ist. Oder es erfolgt eine Aktion zum falschen Zeitpunkt, z.B.:

 

eine Entscheidung wird getroffen, obwohl noch wichtige Informationen fehlen
ein schwieriges Gespräch mit dem Chef oder einem Mitarbeiter wird zum falschen Zeitpunkt geführt und geht schief
ein Projekt wird gestartet, obwohl die Ausführenden noch mit anderen Aufgaben mehr als eingedeckt sind
eine Idee wird entwickelt, für die es auf dem Markt im Moment noch kein Interesse gibt

 

Damit verliert man oft viel Zeit – und möglicherweise auch gute Gelegenheiten, die während dieser Zeitspanne verfügbar gewesen wären. Aber man hat sie gar nicht bemerkt oder nahm sich nicht die Zeit dafür, weil man ja mit etwas Anderem beschäftigt war.

Den richtigen Zeitpunkt erkennen

 

Den richtigen Zeitpunkt zu erkennen ist weniger eine Sache des Verstandes bzw. des bewussten Denkens, sondern eher ein intuitives Spüren. Das „Bauchgefühl“ zeigt oft ziemlich treffsicher, ob ein Zeitpunkt für eine Aktion passt oder nicht.

 

Nehmen wir an, Sie hätten sich für heute 5 Aufgaben vorgenommen und merken, dass Sie zeitlich unter Druck kommen. Es gilt also Prioritäten zu setzen.

 

Nun könnten Sie folgendermaßen vorgehen:

 

Lokalisieren Sie in Ihrem Körper den Bereich, wo Sie Ihr „Bauchgefühl“ oder Ihre „Innere Stimme“ am deutlichsten wahrnehmen können. Bei den meisten Menschen ist das im Bereich des Solarplexus oder in der Mitte der Brust.
Nun nehmen Sie sich die erste Aufgabe vor und stellen an Ihr „Bauchgefühl“ die Frage: „Ist für diese Aufgabe heute der richtige Zeitpunkt?“
Dann richten Sie Ihre Aufmerksamkeit in die Körperregion Ihres „ Bauchgefühls“ und spüren oder hören Sie, ob Sie ein „Ja“ oder ein „Nein“ bekommen.
Erhalten Sie ein „Ja“, kommt die Aufgabe auf die To-do-Liste für heute. Dann können Sie auf diese Aufgabe fokussieren.
Kommt ein „Nein“, fragen Sie weiter: „Morgen?“
Bei einem erneuten Nein: „Diese Woche?“ ... „Dieses Monat?“ ... „später?“
Oder vielleicht auch: „Gar nicht?“

 

Wenn Sie ein visueller und/oder kinästhetischer Typ sind, können Sie auch auf dem Boden ein kurzes Seil auflegen, das die lineare Zeit repräsentiert und dort mit kleinen Kärtchen Markierungen für die Zeiten „heute“, „morgen“, „diese Woche“, „dieses Monat“ und „später“ anbringen, sich auf das jeweilige Kärtchen stellen und nach einem „Ja“ oder „Nein“ fragen.

 

 

Dass ich diesen Newsletter zu genau diesem Thema schreiben wollte, wusste ich schon Anfang Juli. Ich hätte mich ohne große Lust an den PC setzen und mir selbst Druck machen können. Aber für diesen Beitrag war der richtige Zeitpunkt offenbar ein schöner Samstag Nachmittag im August. Im Garten sitzend nach einem Mittagsschlaf in der Hängematte schrieb ich ihn entspannt in ca. 30 Minuten – und es ging fast wie von selbst.

 

 

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