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Wertschöpfung und Wertschätzung statt Krankjammern – Teil 2

 

Manchmal werden Dinge, die man aus dem Bauch heraus schreibt, erst hinterher durch Zahlen untermauert. Im August-Newsletter ging es um das Thema Wettbewerbsfähigkeit durch Wertschöpfung. Einige Tage nach dem Erscheinen stieß ich im Internet auf eine Studie, die diese Sichtweise auf drastische Weise illustriert.


Höhere Produktivität tut Not

Tatsache ist, dass in unseren Unternehmen zwar oft viele Arbeitsstunden anfallen, aber nur ein bestimmter Teil dieser Aktivitäten tatsächlich produktiv im Sinn von Wertschöpfung für den Kunden sind.

Im Internet stieß ich dann unter
http://www.innovations-report.de/html/berichte/studien/bericht-39416.html
auf die Zusammenfassung einer Studie zum Thema Produktivität deutscher Unternehmen (in Österreich ist es laut der Studie ähnlich).

Hier der unveränderte Text dieses Internet-Artikels:

Deutsche arbeiten immer weniger - Unternehmen brauchen deshalb dringend höhere Produktivität

Die Arbeitszeit in Westeuropa sinkt bei hohem Lohnniveau immer weiter - Verringerung unproduktiv verbrachter Zeit in Betrieben bringt mehr Wettbewerbsfähigkeit und neue Impulse für Arbeitsmarkt

Weil die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden pro Kopf in Deutschland immer weiter zurück geht, müssen die Unternehmen ihre Produktivität deutlich steigern, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Proudfoot Consulting, die die Entwicklung der internationalen Arbeitsproduktivität vergleicht. Die im Vergleich zu den USA und Osteuropa immer weiter sinkende Arbeitszeit und das hohe Lohnniveau in Deutschland und Westeuropa werden der Studie zufolge die Unternehmen zu nachhaltigen Maßnahmen zur Produktivitätssteigerung zwingen.

Besonders prekär entwickelt sich die Situation der Unternehmen in Deutschland. Hier wurden im Jahr 2003 durchschnittlich nur 1.441 Arbeitsstunden geleistet, Tendenz seit Jahren sinkend. Davon wurden der Studie zufolge rund 519 Stunden unproduktiv verbracht. In anderen westeuropäischen Ländern liegt die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden nur geringfügig höher.

In den USA dagegen steigt die Arbeitszeit seit Jahren an und lag 2003 mit 1.865 Stunden (671 unproduktiv) damit deutlich über dem westeuropäischen Durchschnitt. Auch in Osteuropa steigt die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden pro Jahr.

Dr. Jochen Vogel, Deutschland-Chef von Proudfoot Consulting: "Niedrige Wochenarbeitszeiten und hoher Jahresurlaub plus anhaltend hohes Lohnniveau - die Luft wird immer dünner für deutsche Unternehmen. Der aktuelle Trend zur Arbeitszeitverlängerung wird das Problem nur unzureichend lösen und ist zudem vor dem Hintergrund der hohen Arbeitslosigkeit in Deutschland umstritten".
Der Schlüssel zu höherer Wettbewerbsfähigkeit liege vielmehr in einer höheren Produktivität der Unternehmen.

Prof. Nicholas Crafts von der London School of Economics: "Die Proudfoot-Studie identifiziert als wichtigsten Grund für unproduktive Arbeitszeit mangelnde Planung und Steuerung sowie mangelnde Führung und Aufsicht. Noch immer scheint den Führungskräften die enorme Dimension dieser Schwächen nicht bewusst zu sein."

Die verschwendeten Potenziale sind enorm. So werden der Produktivitätsstudie von Proudfoot Consulting zufolge in Deutschland 74 Arbeitstage pro Jahr durch unproduktive Tätigkeiten verschwendet. Durch Verringerung der unproduktiv verbrachten Zeit ließen sich jährlich allein in Deutschland bis zu 150 Milliarden EUR einsparen. Das entspricht 7,9 % des deutschen Bruttoinlandsprodukts.

Dr. Jochen Vogel, Deutschland-Chef von Proudfoot: "Die im Vergleich niedrigen Arbeitszeiten bei gleichzeitig hohem Lohnniveau lassen sich in Deutschland auf absehbare Zeit nicht nachhaltig ändern. Deshalb muss die Verringerung der unproduktiv verbrachten Arbeitszeit in den Betrieben Priorität haben. Kommen wir hier zu deutlichen Fortschritten, bedeutet das nicht nur mehr Wettbewerbs-ähigkeit für deutsche Unternehmen auf dem Weltmarkt, sondern auch neue Impulse für den Arbeitsmarkt."

Zum Studiendesign: Datenbasis der Globalen Produktivitätsstudie 2004 von Proudfoot Consulting ist die Auswertung zweier umfangreicher Erhebungen: Zum einen wurden 1.668 Produktivitäts-analysen in Deutschland, Großbritannien, Spanien, Frankreich, Österreich, Ungarn, Südafrika, Australien und den USA durchgeführt. Zum anderen basiert die Studie auf einer Umfrage von Karmasin Marktforschung, dem österreichischen Gallup-Institut, bei 925 Führungskräften in neun Ländern.

 



Die Führung ist gefordert

Jedes Unternehmen muss für dieses Thema seine eigene Antwort finden. Manche Schritte erfordern möglicherweise eine Neuausrichtung des Geschäfts oder/und eine Optimierung von Prozessen. Diese Schritte benötigen oft Zeit, um sie wirklich gut zu planen und umzusetzen.

Aber jede Führungskraft kann im eigenen Bereich kurzfristig machbare Überlegungen anstellen und umsetzen, z.B.:

Sprechen Sie mit jedem Mitarbeiter über das Thema Wertschöpfung ( siehe Newsletter August 2005). Dadurch können Sie bei Ihren Mitarbeitern und bei sich selbst die Sensibilität für wirklich produktives Arbeiten steigern.
Gehen Sie gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern auf die Suche nach Verschwendung bzw. unnötigen Arbeiten ( siehe Newsletter Februar 2002). Entrümpeln Sie gnadenlos! Dabei hilft oft eine einfache Kosten-Nutzen-Rechung.
Beispiel: Einer Ihrer Mitarbeiter erstellt monatlich eine Statistik in Excel für Sie. Zeitaufwand 5 Stunden. Gerechnet mit einem geschätzten Vollkostensatz von 30 Euro je Stunde kostet diese Statistik 150 Euro. Frage: Würde Sie diese Statistik – wenn Sie auf dem externen Markt käuflich erhältlich wäre – für 150 Euro kaufen? Wenn ja: Was nützt sie Ihnen bzw. dem Unternehmen, um die Wertschöpfung zu erhöhen?
Und damit sind wir bei der Schlüssel-Checkfrage für jede Arbeitsroutine angelangt:

Wodurch trägt diese Aktivität dazu bei, die Wertschöpfung und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen?



Wenn Sie keine plausible Antwort darauf finden können, haben Sie wieder einen guten Ansatzpunkt zur Produktivitätserhöhung gefunden.

Sie brauchen also nicht auf die große Gesamtstrategie zu warten: Bewusstmachen und Fokussieren auf wertschöpfende Aktivitäten sowie das Bleibenlassen sinnloser Dinge ist eine Möglichkeit, schon ab morgen die Wertschöpfung zu verbessern.

 

KULTUhRWERK SALZSTRASSE

INK Institut für Narrative Kunst