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Umgang mit schwierigen Gesprächspartnern – Teil 4

 

Sie kennen das vielleicht: Sie möchten mit jemandem etwas klären, werden aber mit den Worten „Das ist dein Problem. Lass mich doch damit in Ruhe“ abgewimmelt. Ein anderer schwieriger Gesprächspartner ist der Opportunist, der seine Meinung laufend ändert und Sie letztendlich nicht wissen, woran Sie mit ihm wirklich sind. Und dann gibt es noch die Menschen, die alles sofort persönlich nehmen.


Der Abwimmler

Sie sprechen ein Problem an, aber Ihr Gesprächspartner lässt Sie abblitzen.
Typische Sätze des Abwimmlers sind beispielsweise:

„Das ist ausschließlich dein Problem. Lass mich doch damit in Ruhe“
"Das ist doch gar nicht so schlimm. Du machst immer aus einer Mücke einen Elefanten“
„Du musst auch wirklich aus allem ein Problem machen“

Durch sein Abblocken stiehlt sich der Abwimmler aus der Verantwortung: Ich bin nicht dafür verantwortlich, dass das Problem existiert, also auch nicht für die Lösung. Dahinter steckt häufig ein niedriger Selbstwert und damit verbunden die Angst vor Kritik. Dementsprechend ist es wichtig, dem Anderen die Angst vor negativen Folgen zu nehmen und ihm den Nutzen einer gemeinsamen Problemlösung aufzuzeigen, vor allem auch den Nutzen für ihn selbst.

Was funktionieren kann ...

Klarmachen, dass ich selbst die Situation sehr wohl für problematisch halte und zur Lösung seine Mitarbeit brauche. Meine Gründe darlegen.
Ihm klarmachen, dass ich an einer win-win-Lösung interessiert bin und ihn nicht persönlich angreifen möchte.
Verdeutlichen, welchen Nutzen es ihm bringt, wenn er sich aktiv an einer Klärung beteiligt.
Wenn er darauf nicht einsteigt: Verdeutlichen, welche negativen Folgen Sie befürchten: für die Sache, sich selbst, Ihre Beziehung oder Zusammenarbeit, und natürlich auch für den Anderen.

Was Sie keinesfalls tun sollten ...

Sich abwimmeln lassen
Ihm mit Vorwürfen kommen
Moralisieren („Das ist nicht fair“)
Den Hobbytherapeuten spielen („Du blockst ja nur, weil du Angst hast“)


Der Opportunist

Der Opportunist richtet seine Meinung zu einem Thema oder einer anstehenden Entscheidung meist nach der Mehrheit oder der Ansicht eines Meinungsbildners.
Er versteckt sich also hinter der Macht Anderer nach dem Motto: Wenn ich die Meinung des Mächtigen oder der Mehrheit vertrete, kann mir nichts passieren. Schwierig wird es mit einem solchen „Windrad“, wenn sich die Meinung des Mächtigen ändert oder ein anderer Mächtiger mit einer anderen Ansicht auftaucht. Dann erweisen sich Vereinbarungen, die man mit ihm getroffen hat oft als wenig verbindlich.

Was funktionieren kann ...

Ihm den Spiegel vorhalten: „Das verstehe ich jetzt nicht: Vorher hast du so gesagt, jetzt so. Was nun?“



Der alles persönlich nimmt

Es gibt Menschen, die jede noch so kleine Kritik oder die Bitte um ein klärendes Gespräch sofort persönlich nehmen. Typische Aussagen sind beispielsweise:

„Immer gehen alle auf mich los“
„Das hält ja kein Schwein aus hier“
„Keiner mag mich“
„Und ich hab geglaubt, du bist mein Freund“

Auch hier steckt meist ein niedriger Selbstwert dahinter gekoppelt mit einer klaren Opferhaltung: Ich bin das Opfer und die Anderen die Täter. Genau durch dieses Zurschaustellen von vorgeschobener Schwäche übt er Macht aus, indem er beim Anderen Schuldgefühle provoziert. Oft versucht er aber auch bloß, sich über das Spiel „Armer schwarzer Kater“ Zuwendung zu holen. Manchmal hilft es, ihm klar zu machen, dass man ihm nichts Böses will. Manchmal ist liebvolles Provozieren in Form einer paradoxen Intervention notwendig.

Was funktionieren kann ...

„Ich wollte dich auf keinen Fall persönlich angreifen. Ich wollte Folgendes ausdrücken ...“
Nachfragen, um Hintergründe zu erfahren und dem Anderen Verständnis zu signalisieren
Ggf. dosiert provozieren, z.B.: „Also, wenn ich an deiner Stelle wäre, dann würde ich kündigen, wenn hier alles so schlimm ist“. Ziel: Ihn aus dem Jammern herausbringen, und ihn dazu provozieren, dass er selbst gegen seine eigenen Jammer-Aussagen Argumente findet.

Was Sie keinesfalls tun sollten ...

„Jetzt nimm doch nicht alles persönlich“
Ernsthaft auf die Mitleidsmasche einsteigen: „Ja, es ist wirklich schrecklich“
Versuchen, ihm sein „Problem“ auszureden („Das kann doch gar nicht so schlimm sein“ oder: „Das kann ich mir gar nicht vorstellen“)

 

KULTUhRWERK SALZSTRASSE

INK Institut für Narrative Kunst