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Wertschöpfung und Wertschätzung statt Krankjammern

 

Immer häufiger liest man in Tageszeitungen und Wirtschaftszeitschriften über die Gefahren für den Standort Europa.
Eines der Probleme ist, dass viele Mitarbeiter und auch Führungskräfte mehr Energie in Jammern investieren anstatt in Verhaltensweisen, welche die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen nachhaltig stärken.


Jammern ist bequem, aber krankmachend

Am 21. Juli 2005 erschien in den OÖ Nachrichten eine Kolumne von F. Gruber mit dem Titel „Ein Jammer mit Deutschland“. Hier einige Passagen:

„Deutschland hat wirtschaftliche und noch mehr psychologische Probleme - letztere deshalb, weil die Deutschen ein Volk von Jammerern geworden sind. Sie jammern viel mehr als es ihnen tatsächlich schlecht zu gehen scheint.“ – dann kommen einige Gedanken über die Krise der deutschen Regierung und schließlich:
„Dazu kommt ein sozialistischer Virus aus Ostdeutschland, der im westlichen Wohlfahrtsstaat einen Nährboden gefunden hat: Beim Staat klagend und schimpfend die Hand aufzuhalten, ohne darüber nachzudenken, was man selber tun kann. Die Deutschen sind ein Volk von Jammerern geworden.“

 


John F. Kennedy hat den Satz geprägt:

„Frage nicht, was dein Land für dich tun kann,
sondern frage, was du für dein Land tun kannst.“



Dieser Satz lässt sich eins zu eins auf Mitarbeiter und Unternehmen übertragen.
Wo liegt beim Mitarbeiter der Fokus seines Denkens?
Ist es:

„Was bekomme ich vom Unternehmen, damit es mir gut geht?“ oder (auch):

 

„Was trage ich dazu bei, dass es meinem Unternehmen gut geht?“

 

Es braucht beides!

Jammernde Mitarbeiter sind ein Signal, dass entweder wirklich etwas ganz massiv nicht stimmt (gerechtfertigter Protest) oder ein Zeichen für Sattheit, Trägheit und Bequemlichkeit.

 

Faktum ist, dass unser materieller Wohlstand heute (noch) relativ hoch ist. Faktum ist auch, dass der Druck für Mitarbeiter in unseren Unternehmen ständig gestiegen ist: „Ich weiß nicht mehr, wo mir der Kopf steht, soviel habe ich zu tun!“

 

Bloß wird nach wie vor häufig Aktivität mit sinnvoller Leistung verwechselt.
Wie viel von dem, was ein Mitarbeiter TUT ist tatsächlich wertschöpfend?

 

Es geht also gar nicht darum, noch mehr zu tun – und über den Druck zu jammern - sondern das Richtige zu tun.


Wertschöpfung statt Aktionismus

Beim Thema Wertschöpfung stellt sich zunächst die Frage: Wertschöpfend für wen?

 

Wer sind meine externen oder/und internen Kunden, die von meiner Arbeit profitieren?
Was genau brauchen sie gerade von mir?
Wie zufrieden sind meine Kunden mit meiner Leistung?

Jeder Mitarbeiter müsste in der Lage sein, auf diese drei Fragen ohne langes Zögern Auskunft zu geben. Wenn Sie eine Führungskraft sind und Ihren Mitarbeitern diese Fragen beim nächsten Mitarbeitergespräch stellen, werden Sie wahrscheinlich Ihr blaues Wunder erleben.

Wertschöpfend sind letztendlich nur die Aktivitäten, von denen ein externer oder interner Kunde einen direkten Nutzen hat. Alles andere sind bestenfalls Unterstützungsarbeiten, oft sind es Leerzeiten, schlimmstenfalls wird Arbeitszeit zum Jammern missbraucht.

Wie überall liegt der Erfolg in der Kombination von Wissen und Tun – und hier kann eine Führungskraft Entscheidendes bewirken. In einem Vieraugengespräch kann sie mit dem Mitarbeiter folgende Fragen reflektieren:

1.  Wissen:
Wer sind Ihre wichtigsten externen oder/und internen Kunden, die von Ihrer Arbeit profitieren?
Was sind deren Bedürfnisse, ihre ungelösten Probleme?
Was genau brauchen Ihre Kunden gerade von Ihnen? Wie können Sie dazu beitragen, deren Probleme zu lösen und sie erfolgreicher zu machen?
Wie zufrieden sind Ihre Kunden mit Ihren Leistungen?

2.  Tun:
Wieviel Prozent Ihrer Zeit verbringen Sie mit wertschöpfenden Aktivitäten? Wieviel verwenden Sie für „Administrationsarbeit“? (Die Frage nach Leerleistung und Jammern stellen Sie besser nicht!)
Gibt es Umstände, die Sie daran hindern, den Wertschöpfungsanteil zu erhöhen
(z.B.: mangelhafte Arbeitsmittel, fehlendes punktuelles Fachwissen, organisatorische Unsinnigkeiten, unzureichende Befugnisse, mangelnde Qualität von Vorleitungen anderer Abteilungen oder externer Lieferanten, persönlicher Frust, „klimatische Störungen“, ...)?
Wenn ja: was können Sie selbst tun, um die Situation zu verbessern?

3.  Unterstützung:
Kann ich Ihnen helfen, diese Hindernisse zu beseitigen? Wie?
Gibt es Verhaltensweisen von mir als Führungskraft, die Sie behindern statt Sie zu unterstützen? Was müsste ich bleiben lassen, was mehr tun?

 

 

 

 

Wertschätzung statt Jammern

 


Wenn viel gejammert wird, sind der Blick und das Denken auf das Negative gerichtet, auf alles, was nicht passt (Und wenn mir etwas nicht passt, leite ich daraus die Berechtigung ab, weniger zu leisten, zu jammern und Andere mit meinem Jammern anzustecken).

 

Viel konstruktiver Schwung würde in unsere Unternehmen kommen, wenn die darin arbeitenden Menschen den Blick öffnen für das viele Positive im Unternehmen, für Chancen und kreative Möglichkeiten. Dazu gehört auch ein Stück Dankbarkeit und Demut.

 

Dazu ein Beispiel. Bei einem meiner Kunden, einem deutschen Automobilhersteller, wurde im Zuge eines KVP-Prozesses in einem bestimmten Bereich der Fertigung ein Ablauf so weit optimiert, dass man von den bisherigen drei Schichten eine ganze Schicht einsparen konnte. Alle achtzig hier nicht mehr benötigten Mitarbeiter bekamen die Möglichkeit, in anderen Fertigungsbereichen weiter zu arbeiten. Fragen Sie nicht, was die gemeckert und gejammert haben! „So eine Frechheit! Man nimmt mir meinen Arbeitsplatz weg, auf dem ich seit 20 Jahren arbeite und mich auskenne und wohl fühle!“ Daran, dass sie in einem anderen Unternehmen wahrscheinlich gekündigt worden wären, dachte keiner. 20 Jahre im Unternehmen – sie kannten nur Arbeitsplatzsicherheit. Die Sicherheit war für Sie selbstverständlich – und Selbstverständliches wird oft nicht wertgeschätzt. Oder erst dann, wenn es auf einmal nicht mehr vorhanden ist.

 

 

Insofern ist bei oben beschriebenem Mitarbeitergespräch auch noch ein vierter Themenbereich wichtig:

 


4.  Wertschätzung:
Was gefällt Ihnen an unserem Unternehmen, an Ihrem Team?
Was hilft Ihnen dabei, Ihre Aufgaben gut und leicht zu erledigen?
Was trägt dazu bei, dass Sie sich in Ihrem Arbeitsbereich wohl fühlen?
Was von meinen Führungsverhalten ist für Sie hilfreich? Was soll ich weiterhin so machen wie bisher?
Was nützt Ihnen die Möglichkeit, in unserem Unternehmen zu arbeiten unter dem Blickwinkel Ihrer persönlichen Lebensziele?

 

 

Gerade die letzte Frage – so persönlich sie ist – bringt verschobene Perspektiven oft wieder ins Lot. Da werden kleine Unannehmlichkeiten wieder das, was sie sind. Da ersetzen Wertschätzung und Dankbarkeit dafür, einen Job zu haben, der alles in allem meist gar nicht so schlecht ist, die Jammerei über Kleinigkeiten. Und wenn das in einem Unternehmen viele Mitarbeiter tun, macht das ganze Unternehmen einen großen Schritt in die richtige Richtung.

 

KULTUhRWERK SALZSTRASSE

INK Institut für Narrative Kunst