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Umgang mit schwierigen Gesprächspartnern – Teil 1

 

Gespräche mit konstruktiven Gesprächspartnern sind etwas Feines, aber leider selten. Sehr oft hat man es mit einem Gesprächspartner zu tun, der von seiner momentanen Verfassung oder vom persönlichen Charakter her eher schwierig oder unangenehm ist. Hier einige typische Aussagen:

„Das ist vielleicht ein Sauhaufen hier!“
„Das ist doch IHR Problem. Was hab´ ich damit zu tun?“
„Ist mir doch egal“
"Es ist alles sooo fürchterlich!“

In diesem und den nächsten Beiträgen stelle ich Ihnen einige der häufigsten Typen von „schwierigen Gesprächspartnern“ vor - sowie Möglichkeiten, diese auf eine konstruktive Gesprächsschiene zu bekommen.

Wichtig ist zu erkennen, dass „schwieriges“ Verhalten im Gespräch selten ein Zeichen von Stärke ist.
Vielmehr ist es ein Hinweis auf

eine angespannte Befindlichkeit (Ärger, Müdigkeit, Sorge, ...)
mangelnden Selbstwert
Missverständnisse

Daher bringt es wenig, wenn man versucht, dem Anderen zu beweisen, dass man der Stärkere ist. Dadurch verschlimmert man die Situation nur noch. Das Gleiche gilt für „Du-Botschaften“, die beim Anderen oft Erinnerungen an Kritik und Anweisungen der eigenen Eltern wachrufen.


Der Choleriker / der Aggressive

Der Choleriker regt sich über jede Kleinigkeit auf und braust schnell auf. Er neigt dazu, unsachlich zu reagieren. Er wird dabei oft laut, brüllt herum und greift seinen Gesprächspartner an, manchmal auch auf einer sehr persönlichen Ebene.
Meist fühlt er sich selbst angegriffen, ignoriert, nicht verstanden etc. und versucht sich mit seinem aggressiven Gehabe zu schützen oder Gehör zu verschaffen.

Was funktionieren kann ...

Den Anderen ausschreien lassen (denn er ist momentan nur am Senden und ist für konstruktive Vorschläge noch gar nicht empfänglich), dabei ruhig bleiben und doch genau hinhören, was er eigentlich sagen will
Falls er beleidigend wird: "Stop! Das geht jetzt wirklich zu weit! Diesen Ton akzeptiere ich nicht." d.h.: Ich-Botschaft in bestimmtem, erwachsenen Tonfall
Sobald er ruhiger geworden ist: Widerspiegeln, was er gerade inhaltlich gesagt hat und Verständnis für seine Sicht signalisieren.
Dann zu einem Problemlösungsgespräch überleiten.
z.B.: "Wenn ich Sie richtig verstanden habe dann ärgern Sie sich darüber, dass .... Da kann ich Sie gut verstehen. Sehen wir uns das nun etwas genauer an. ....."

Was Sie keinesfalls tun sollten ...

Sich einschüchtern lassen
Selbst zurückschreien
Du-Botschaften (weil sich der Andere dadurch nicht akzeptiert fühlt und trotzig reagiert, z.B.:
„Brüllen Sie hier nicht so herum!“ - häufige Antwort: „Sie haben mir gar nichts zu sagen!“
„Jetzt beruhigen Sie sich doch endlich“ - häufige Antwort: „Ich will mich aber aufregen!“
„Könnten wir bitte vernünftig (oder sachlich) über das Ganze reden?“


Der Dominante, Besserwisser, Selbstgefällige

Dieser Typus versucht, seinen Gesprächspartner mit seiner eigenen Meinung zu beeindrucken oder zu überfahren. Er beharrt auf seinem Standpunkt und ist oft empfindlich, wenn man diesen widerlegt oder nicht ernst nimmt.

Was funktionieren kann ...

Widerspiegeln und nachfragen: „Wenn ich Sie richtig verstanden habe, dann meinen Sie ... Wie meinen Sie ... genau?“
„Was meinen sie genau?“
Ggf. die eigene Meinung gleichwertig danebenstellen: Sie sind also folgender Meinung: ... Nun, ich sehe die Sache folgendermaßen: ...“

Was Sie keinesfalls tun sollten ...

Sich einschüchtern lassen
Dagegenreden („Sie haben mir hier gar nichts zu sagen“), da Widerspruch das dominante Verhalten meist verstärkt
Sich auf ein Rededuell einlassen
Ignorieren


Der Uneinsichtige, Rechthaberische

Dieser Typus wird auch oft als „Sturschädel“ bezeichnet. Er ist dem Besserwisser ziemlich ähnlich, allerdings eher in einem passiven Sinn, d.h. wenn er einmal eine Meinung gefasst hat, ist er schwer wieder davon weg zu bringen. Er sperrt sich gegenüber neuen Ideen und Erkenntnissen.

Was funktionieren kann ...

Ähnlich dem "Dominanten"
Die Hintergründe des Widerstands erfragen: "Was sind Ihre Gründe, dass Sie mir hier nicht zustimmen können?"

Was Sie keinesfalls tun sollten ...

(Noch mehr) dagegenargumentieren: "Jetzt erkläre ich es dir noch einmal ..."
"Da hast du Unrecht"
"Da bist du völlig auf dem Holzweg"


Der „Um-den-heißen-Brei-Redner“

Dieser Gesprächspartner redet viel aber sagt wenig aus. Er produziert viel „verbalen Nebel“, aus dem nicht klar ersichtlich ist, was er eigentlich meint.

Was funktionieren kann ...

Naiv nachfragen („wie Inspector Columbo“): „Das verstehe ich jetzt nicht“ und das wenn nötig auch 3x hintereinander
„Was genau meinen Sie?“
"Was konkret wollen Sie mir damit sagen?“



Diese Reihe wird im nächsten Newsletter fortgesetzt, denn es gibt noch jede Menge anderer schwieriger Gesprächstypen.

 

KULTUhRWERK SALZSTRASSE

INK Institut für Narrative Kunst