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Das Meer des Lebens

 

Bei meinem letzten Segeltörn ist mir wieder einmal folgender Spruch eingefallen:

"Wir sind nicht in der Lage, die Windrichtung zu ändern, aber wir können die Segel richtig setzen".

Die Situation beim Segeln lässt sich gut mit dem Führen eines Teams, eines Unternehmens oder dem eigenen Leben vergleichen. Immer gibt es Dinge, die sich nicht verändern lassen, die es zu berücksichtigen oder bewusst zu nützen gilt. Andererseits geht man manchmal in die Passivität, "... weil man ja ohnehin nichts ändern kann" - ohne dass man merkt, dass man durchaus etwas ändern könnte.

Beim Segeln gibt es eine Reihe von Faktoren, die ich nicht beeinflussen kann, z.B.: Windstärke und Windrichtung, Strömungen, die landschaftlichen Gegebenheiten des Segelreviers, das Wetter.
Andererseits kann ich vor Antritt des Törns wählen: Von wann bis wann, in welchem Segelrevier, mit welchem Bootstyp, mit welcher Crew, wie wollen wir anreisen etc. Und während des Törns gilt es laufend die Wünsche der Segler mit den aktuellen Gegebenheiten abzustimmen: Wo wollen wir heute hin? Wetter ok? Welcher Kurs? Segeln oder unter Motor? Wer macht was? Taverne oder selber kochen?

Was beim Segeln ganz klar erscheint, ist im Alltag oft nicht ganz so klar.
Ein anderer bekannter Spruch lautet:

"Gott, gib mir die Gelassenheit,
das zu akzeptieren, was ich nicht verändern kann;
den Mut, das zu ändern, was geändert werden sollte -
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."


Sich über schlechtes Wetter aufzuregen ist oft verständlich, aber wenig produktiv.
Das gilt auch für die Aussage: "Mein Chef (meine Frau, unsere Gesellschaft, ...) ist eben so. Da kann ich nichts ändern."

Ich möchte Sie einladen, sich einen beliebigen Aspekt Ihres Lebens näher zu betrachten. Am besten ist, wenn Sie nicht sofort mit einem besonders wichtigen oder momentan problematischen Bereich anfangen, sondern mit einem "mittelwichtigen" üben, und schließlich das Prinzip auf wirklich wichtige bzw. problematische Bereiche zu übertragen.


Hier einige Fragen zum Reflektieren:

Welche Kräfte kann ich nicht verändern (analog Windstärke, Windrichtung, Wellen, Strömung, Wetter, Untiefen etc.)
Woher weiß ich, dass ich es nicht verändern kann? Bin ich ganz sicher, dass das alles wirklich unveränderbar ist?
Wie haben mich diese unveränderlichen Aspekte in meinem Fühlen, Denken und Handeln beeinflusst? Wovon habe ich mich bremsen lassen? Gegen welche Widerstände habe ich immer wieder vergeblich angekämpft?
Könnte ich damit anders (= sinnvoller) umgehen? Wie?
Gibt es so etwas wie eine verlässliche, konstante Kraft (ähnlich dem Passatwind)? Was ist das konkret?
Wo habe ich das Verhalten Anderer schon vergeblich zu verändern versucht? Wozu hat das geführt?
Über welche Dinge schimpfe oder jammere ich immer wieder, obwohl sie tatsächlich nicht zu verändern sind?
Was kann ich selbst verändern? Worauf habe ich Einfluss? Worüber habe ich Macht?
Wo habe ich Macht abgegeben? An wen? Warum?
Wie kann ich mir diese Macht wieder zurückholen? Was habe ich davon? Was ist der Preis, den ich dafür zahle?

Und noch ein letzter Segel-Spruch:

"Sicher ist ein Schiff nur im Hafen. Aber dafür werden Schiffe nicht gebaut"

 

KULTUhRWERK SALZSTRASSE

INK Institut für Narrative Kunst