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Das Arbeitstempo als Stellschraube zum Reduzieren von Druck

 

Wenn Menschen über Stress klagen, formulieren sie es oft als „Zeitdruck“ oder „Zeitnot“. Manchmal fällt auch der Satz „Für die viele Arbeit müsste mein Tag 48 Stunden haben“. Angenommen, ein zynischer Flaschengeist würde jemandem diesen Wunsch wirklich erfüllen, was dann?

Immer schneller?

 

Wenn der Tag wirklich 48 Stunden hätte, würden die meisten Menschen wahrscheinlich noch mehr Arbeit hineinpacken und auch nicht weniger Stress dabei haben. Alternativ erhöhen viele ihr Arbeitstempo, was auch seine Tücken haben kann, wie folgende Geschichte verdeutlicht (Quelle: Lothar J. Seiwert: "Wenn Du es eilig hast, gehe langsam", S. 21):

 

Als Till Eulenspiegel mit seinem Bündel Habseligkeiten zu Fuß zur nächsten Stadt wanderte, überholte ihn eine recht schnellfahrende Kutsche. Der Kutscher, der es sehr eilig zu haben schien,
rief: »Wie weit ist es bis zur nächsten Stadt?«
»Wenn Ihr langsam fahrt, eine halbe Stunde - wenn Ihr schnell fahrt, zwei Stunden, mein Herr!« antwortete Till Eulenspiegel.
»Du Narr!« schimpfte der Kutscher, griff zur Peitsche und trieb die Pferde noch heftiger an, und die Kutsche fuhr mit erhöhtem Tempo weiter.
Till Eulenspiegel ging seines Weges daher. Die Straße hatte viele Schlaglöcher. Eine Stunde später fand er eine Kutsche, die offenbar mit einem Schaden im Straßengraben lag. Die Vorderachse war gebrochen und der Kutscher fluchend damit beschäftigt, diese zu reparieren. Der Kutscher blickte Till Eulenspiegel vorwurfsvoll an, worauf dieser nur anmerkte:
»Ich sagte Euch doch: Wenn Ihr langsam fahrt, eine halbe Stunde ... «


 

 

Unter Zeitdruck läuft man Gefahr, schneller zu arbeiten - in der Illusion, dass man dann auch mehr schafft. Das Gegenteil ist oft der Fall:

 

Durch die Hektik nimmt der subjektiv empfundene Stress zu. Die Situation wird als schwieriger erlebt als sie vielleicht tatsächlich ist.
Stress vermindert das kreative Denkvermögen. Man greift zu bewährten, automatisierten Mustern, ohne nachzudenken, ob es nicht vielleicht auf eine andere Weise wesentlich leichter und schneller gehen würde (analog Newsletter Dezember 2008).
Unter Stress nimmt die Fehlerhäufigkeit zu, was zu Frust und verlängerter Bearbeitungszeit führt.

 

 

Wenn „langsamer“ schneller zum Ziel führt ...

 

Gerade in Drucksituation ist es oft sinnvoll, inne zu halten, durchzuatmen und nachzudenken:

 

Was hat jetzt gerade Priorität?
Was ist die beste Art, es zu erledigen? Gibt es eine effizientere Möglichkeit als bisher? Kann ich mir ggf. auch Hilfe organisieren?
Wie viel Zeit werden ich dafür wahrscheinlich brauchen? Manche Aufgaben scheinen im Vorhinein größer als sie dann wirklich sind. Wenn man die Aufschieberitis überwunden, sich hingesetzt und begonnen hat und es konzentriert durchzieht, läuft es dann oftmals fast von alleine.
Wie kann ich mir einen möglicht störungsfreien Ablauf sichern, wo ich weder durch Andere aus der Arbeit gerissen werde, noch mich selbst immer wieder ablenke (durch Telefonieren, schnell mal meine Mails abrufen etc.)?
Wann baue ich Pausen zum Regenerieren ein und wie sorge ich dafür, dass ich diese auch einhalte?
Wie belohne ich mich selbst, wenn ich fertig bin?

Andererseits kann man auch nicht ewig brauchen

 

Führungskräfte kennen natürlich auch die andere Seite. Da gibt es Mitarbeiter, die nur 50 – 60% der Arbeitsleistung eines durchschnittlichen Mitarbeiters schaffen, von den Top-Performern ganz zu schweigen. Auch diese Mitarbeiter haben oft subjektiv das Gefühl, unter Druck zu sein und ihr Bestes zu geben. Bei diesen lohnt sich ein unterstützendes Führungsgespräch, um durch ein wertschätzendes Feedback bei Mitarbeiter ein Verständnis für die Situation zu erreichen und gemeinsam mit ihm Verbesserungsansätze zu entwickeln. Dabei gilt es die Ursachen heraus zu finden und Entwicklungsmaßnahmen zu definieren, z.B.:

 

Trödeln kann mit Unsicherheit, Unlust, mangelnde Konzentration, Angst vor Fehlern etc. zusammenhängen.
Lange Bearbeitungszeiten können auch an einer falschen, zeitraubenden Vorgangsweise liegen. Ursachen können beispielsweise alte Gewohnheiten sein, das Nicht-nutzen von EDV-Tools oder neueren Arbeitstechniken, fehlendes Know how bzw. wenig Übung (dadurch viele Fehler), etc.

 

Sind die Ursachen erkannt, kann gemeinsam über Lösungsmöglichkeiten nachgedacht werden. Das kann von Schulungen, Training-on-the-job oder Mentoring bis zu einem anderen Arbeitsgebiet reichen. Wichtig dabei ist, dass klar definiert wird, woran die Verbesserung erkannt werden kann, welchen Beitrag der Mitarbeiter zur Weiterentwicklung leistet und welche Unterstützung er von außen bekommt. Werden ein sinnvoller Lernzeitraum und geeignete Evaluierungsschleifen vereinbart, können durchaus merkbare Entwicklungen erreicht werden.

 

 

Und dann gibt es natürlich auch noch die wirklich faulen Mitarbeiter – aber das ist eine andere Geschichte.



 

KULTUhRWERK SALZSTRASSE

INK Institut für Narrative Kunst