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Neustart

 

Ich hatte einige freie Tage zu Hause. Da fiel mir ein: ich sollte endlich meine Ablage entrümpeln, die Erkenntnisse aus den letzten paar klugen Büchern zusammenfassen, einige wichtige Stammkunden anrufen, mich mehr bewegen, mehr Zeit mit der Familie verbringen, ein Skriptum überarbeiten, mich endlich einmal erholen. Die To-do-Liste in meinem Kopf wurde immer länger, der Druck im Bauch immer stärker. Und dann sagte eine Stimme in mir: „STOP!“


Zu viel altes „Wissen“ kann ganz schön stressig sein

Alle oben genannten noch nicht erledigten Arbeiten sind Aspekte meines Lebens, bei denen ich irgendwann einmal beschlossen habe, dass sie für mich sinnvoll sind. Aus guten Gründen habe ich es bisher nicht geschafft, sie umzusetzen. Andere Dinge waren wichtiger – ob meine Prioritätensetzung klug war oder nicht ist eine andere Sache.

 

Aber dieser riesige, stressige Berg von „Du solltest endlich ...“ suggeriert, dass etwas Schlimmes geschehen wird, wenn ich es nicht endlich wirklich tue. Bloß – stimmt es, dass das alles für mich HEUTE noch immer so relevant ist als in dem Moment, in dem ich erkannt und entschieden habe: „Das brauche / sollte ich“?


Der Schüler, der schon alles weiß

Ein Schüler kam zum Meister, um bei ihm in die Lehre zu gehen. Als er beim Meister ankam, saß dieser auf dem Boden und trank Tee. Der junge Mann wollte den Meister beeindrucken und erzählte ihm, was er schon alles gelernt hatte. Dann bat er den Meister, bei ihm weiterlernen zu dürfen.
Der Meister lächelte und sagte: "Komm in einem Monat wieder."
Verwirrt und verärgert ging der junge Mann zurück in sein Dorf und grübelte darüber, was den Meister veranlasst haben könnte, ihn abzuweisen. Nach einem Monat erschien er wieder beim Meister.
Der Schüler berichtete von seinen Vermutungen, warum er fortgeschickt worden war (eine wirklich lange und tiefgründige Analyse!) und bekräftigte seinen Wunsch, beim Meister zu lernen.
Der Meister antwortete freundlich: "Komm in einem Monat wieder."
Dieser Vorgang wiederholte sich immer wieder. Schließlich kam der Schüler nach vielen vergeblichen Versuchen zum Meister, der wieder Tee trinkend auf dem Boden saß. Diesmal setzte sich der Schüler einfach hin - und sagte nichts.
Nach einiger Zeit ging der Meister in sein Haus und kam mit einer Tasse zurück. Er schenkte dem Schüler Tee ein und sagte: "Jetzt kannst du hier bleiben, damit ich dich lehren kann. Denn so, wie ich in eine volle Tasse keinen Tee gießen kann, kann ich auch einen Schüler nicht lehren, der schon voll mit „Wissen“ ist." (Verfasser unbekannt)




Die Tasse ausleeren ...

Als meine innere Stimme dieses „STOP!“ ausrief sprach sie erfreulicherweise weiter:
„Beginn bei Null. Stell dir jetzt die einfache Frage: >Welche Botschaften hat mein Leben heute an mich?< - und stelle dir diese Frage ab jetzt täglich.“

 

Der ganze Druck von den zahllosen „Du solltest doch endlich ...“ war plötzlich weg. Stattdessen tauchten einige wenige sehr brauchbare Gedanken auf, die für meine aktuellen Lebensumstände wirklich schlüssig und relativ einfach umzusetzen waren.

 

Ich habe in der Folge mit unterschiedlichen Wegen zum „Ausleeren der Tasse“ experimentiert und möchte Ihnen drei Möglichkeiten vorstellen.


Variante 1 ... für Jogger, Nordicwalker, Spaziergänger

Gehen (laufen, walken) Sie los. Wenn Sie in einem guten Bewegungsrhythmus sind, richten Sie Ihre ganze Aufmerksamkeit auf Details Ihrer Umgebung (Bäume, Vögel, ...). Als nächstes achten Sie nur noch auf das Aufsetzen und Abrollen Ihrer Fußsohle. Wenn Sie Ihre Aufmerksamkeit auf diese Weise ins Hier und Jetzt gebracht haben gehen Sie in folgendes Vorstellungsbild: „Mit jedem Schritt lasse ich altes Wissen hinter mir. Ich bin leer und aufnahmebereit für neue Einsichten“. Idealerweise denken Sie diesen Satz in Gedanken „in Endlosschleife“ mit.
Wiederholen Sie diesen Satz bzw. diese Vorstellung so oft, bis Sie das Gefühl haben, gedanklich wirklich „leer“ zu sein.
Nun stellen Sie in Gedanken folgende Frage: „Welche Botschaften hat mein Leben heute für mich?“
Und dann richten Sie Ihre ganze Aufmerksamkeit auf die Leere in Ihnen und warten, welche Gedanken aufsteigen ...
Bemerkungen:
Wenn Ihnen der Begriff „Botschaften“ nicht zusagt ersetzen Sie ihn einfach durch Wörter, die Ihnen mehr liegen (z.B.: „wichtige Informationen“ oder Ähnliches).
Sollten Sie sich fragen, wo die „Leere in Ihnen“ genau ist, probieren Sie es einmal mit dem Zentrum des Brustbereichs. Vielleicht ist aber der Platz Ihrer „Inneren Stimme“ auch im Kopf oder einem anderen Körperbereich


Variante 2 ... für Meditierer

Setzen Sie sich in Meditationshaltung hin und gehen Sie auf die üblicherweise von Ihnen praktizierte Meditationsmethode in einen Zustand von wacher Aufmerksamkeit. Wenn Sie mit Ihrem Bewusstsein ganz im Hier und Jetzt sind gehen Sie in folgende Affirmation:
„Mit jedem Ausatmen lasse ich altes Wissen los. Ich bin leer und aufnahmebereit für neue Einsichten“..
Wiederholen Sie diesen Satz so oft, bis Sie das Gefühl haben, gedanklich wirklich „leer“ zu sein.
Nun stellen Sie bei jedem Einatmen in Gedanken folgende Frage: „Welche Botschaften hat mein Leben heute für mich?“
Und dann richten Sie Ihre ganze Aufmerksamkeit auf die Leere in Ihnen und warten, welche Gedanken aufsteigen ...


Variante 3 ... für Duschfreunde

Auch das Duschen eignet sich durch das fließende Wasser gut für diesen Prozess. Wenn Sie unter der Dusche stehen richten Sie zunächst Ihre Auf-merksamkeit auf Ihre Fußsohlen, dann auf Ihren Scheitel. Nehmen Sie wahr, wie der angenehme warme Wasserstrahl dort auftrifft und das Wasser an Ihrem Körper nach unten fließt. Nun gehen Sie in folgendes Vorstellungsbild: „Das strömende Wasser reinigt mich von alten Konzepten. Ich bin leer und aufnahmebereit für neue Einsichten“. Idealerweise denken Sie diesen Satz in Gedanken „in Endlosschleife“ mit.
Wiederholen Sie diesen Satz so oft, bis Sie das Gefühl haben, gedanklich wirklich „leer“ zu sein.
Nun stellen Sie bei jedem Einatmen in Gedanken folgende Frage: „Welche Botschaften hat mein Leben heute für mich?“
Und dann richten Sie Ihre ganze Aufmerksamkeit auf die Leere in Ihnen und warten, welche Gedanken aufsteigen ...

Die Methode kann natürlich beliebig abgewandelt werden.

Wichtig sind lediglich 2 Aspekte:
Lösen Sie sich täglich von der „Wahrheit“ von gestern. Sie ist oft genau so wenig aktuell wie die Zeitung von gestern.
Treten Sie täglich in einen kurzen Dialog mit ihrer „Inneren Stimme“, um herauszufinden, was heute wirklich für Sie relevant ist.


Viel Freude und Entspannung beim „Ausleeren der Tasse“ und den aktuellen Neuigkeiten!

 

KULTUhRWERK SALZSTRASSE

INK Institut für Narrative Kunst