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Wenn das Bisherige seinen Sinn verloren hat

 

Da gab es doch einmal so etwas wie Wählscheibentelefone, Nadeldrucker, Vierspurtonbänder und Achtzoll-Disketten. Ist noch gar nicht so lange her. Nahezu kein Mensch verwendet so etwas heute noch. Die Technik hat sich weiter entwickelt.
Es gibt etwas Neues, Besseres – und wir verwenden es einfach, ohne lange darüber nachzudenken.


Alte Muster haben ein zähes Leben

Obwohl wir im Alltag Altes zugunsten verbesserter Lösungen ohne viel nachzudenken aufgeben, finden wir auf der Ebene persönlicher Denkhaltungen und Verhaltensweisen, bei unserer persönlichen Arbeitsmethodik und bei Arbeitsprozessen in unseren Organisationen oft alte, überholte Muster.

Wir spulen sie automatisch ab, ohne uns bewusst zu machen, dass sie längst ihren Sinn verloren haben oder dass uns heute viel bessere Möglichkeiten zu Verfügung stehen.

Dazu eine kurze Geschichte (Quelle: Jorge Bucay: "Komm, ich erzähl dir eine Geschichte", S.206):

Die Katze des Ashrams

Es war einmal ein Guru, der mit seinen Schülern in einem indischen Aschram lebte. Täglich bei Sonnenuntergang versammelte er seine Anhänger und sprach zu ihnen.
Eines Tages tauchte im Aschram eine schöne Katze auf, die dem Meister auf Schritt und Tritt folgte.
Und so wurde es zur Gewohnheit, dass die Katze während der Ansprache des Meisters zwischen den Jüngern umherspazierte und sie davon abhielt, sich auf die Worte des Meisters zu konzentrieren.
Damit sie nicht jedes Mal störte, beschloss der Meister also, die Katze fünf Minuten vor Beginn der Rede wegzusperren.
So vergingen die Jahre, und irgendwann starb der Meister.
Der älteste seiner Schüler übernahm die Rolle des geistigen Oberhaupts des Aschrams. Fünf Minuten vor seiner ersten Ansprache befahl er, die Katze einzusperren. Seine Gefolgsleute brauchten geschlagene zwanzig Minuten, um die Katze zu finden und sie in ihren Käfig zu befördern.
Die Jahre vergingen, und irgendwann starb auch die Katze.
Da ordnete der neue Guru an, eine neue Katze zu erwerben, um sie einsperren zu können.


 


Alte „Katzen“ – sprich Muster - sind oft ziemlich hartnäckig, z.B.:

Denkhaltungen / Überzeugungen („Wenn ..., dann ....“)
Verhaltensweisen
Arbeitsprozesse in einem Team
Aufgabenverteilung innerhalb eines Teams
„Rituale“ und „Heilige Kühe“ innerhalb einer Organisation
Die Art und Weise, WIE etwas getan wird
WAS getan werden „muss“ ...


Schaffen Sie sich keine neue Katze an

Wenn Sie die Vermutung haben, dass es sich bei einem Muster um etwas handelt, was „entsorgt“ oder deutlich verbessert werden sollte, helfen folgende Fragen weiter:
Woher stammen diese Verhaltensweisen bzw. Regeln?
Welche Funktion hatten sie?Wozu ist es heute gut?
Welchen Nutzen stiftet es?
Wie ist die Aufwand-Nutzen-Relation?
Ist es heute die beste Art, es zu tun?
Welche besseren Alternativen gibt es?
Wie können wir sie ggf. abschaffen?

Optimieren macht Ihnen das Leben leichter – aber es ist sinnvoll, zuvor darüber nachzudenken, ob es überhaupt noch erforderlich ist.

In einem bekannten Unternehmen der Fahrzeugzulieferindustrie gibt es dazu einen weisen Spruch:

„Es ist Dummheit, etwas Überflüssiges zu optimieren.
Noch dümmer ist es, etwas Überflüssiges nach dem Optimieren zu automatisieren.“


 

KULTUhRWERK SALZSTRASSE

INK Institut für Narrative Kunst